# seit oder seid — und warum der Merksatz allein nicht reicht

> seit mit t ist eine Präposition mit Dativ oder eine Konjunktion und führt einen Zeitpunkt, eine Dauer oder einen Nebensatz an: seit Freitag, seit zwei Wochen, seit ich dich kenne. seid mit d ist eine Verbform von „sein“ — die 2. Person Plural (ihr seid) und daneben, als eigene Form mit gleichem Klang, der Imperativ Plural: Seid bitte pünktlich. Weil ein d am Wortende im Deutschen stimmlos, also wie ein t gesprochen wird (Auslautverhärtung), klingen beide Wörter identisch; Vorlesen hilft hier nicht weiter. Entscheidend ist die Wortart — die Dudenredaktion nennt sie in ihrem Sprachratgeber „den einzigen verlässlichen Schlüssel zur korrekten Schreibung“. Die verlässlichste Probe ist die Umformung: Lässt sich die Stelle zu „wir sind“ oder „sie sind“ umbauen, steht dort seid; fragt der Satz nach „seit wann?“ oder lässt sich das Wort durch „seitdem“ ersetzen, steht dort seit. Der Merksatz „seit bei Zeit“, den der Duden anführt, ist ein brauchbarer Vorfilter, greift aber nur dort, wo das gesuchte Wort selbst die Zeitangabe anführt — in „Wie lange seid ihr schon dabei?“ führt er in die Irre.

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seit mit t führt eine Zeitangabe an, seid mit d gehört zu einem „ihr“. Hier stehen die Ersatzprobe, zwanzig Satzmuster mit Begründung und zwölf Übungen mit Lösungen.

## Ein Klang, zwei Wörter — deshalb überlebt der Fehler jede Korrekturschleife

Wer „seid“ und „seit“ laut ausspricht, hört zweimal dasselbe. Verantwortlich ist die Auslautverhärtung: Ein d am Wort- oder Silbenende wird im Deutschen stimmlos, also wie ein t gesprochen — dieselbe Regel, die „Wald“ wie „Walt“ klingen lässt. Damit fällt für diese beiden Wörter ein verbreiteter Korrekturtipp aus. Laut vorlesen hilft bei Kommas, bei Satzlängen und bei verunglückten Bezügen enorm; hier bringt es nichts. Man muss hinsehen, nicht hinhören.

Dazu kommt die Unauffälligkeit. Beide Wörter sind kurz und stehen überall: in Nachrichten, in E-Mails, im Anschreiben, in der Hausarbeit. Das Auge rutscht darüber hinweg, weil es keinen Widerstand gibt — auch die falsche Variante ergibt hier ein existierendes deutsches Wort in gültiger Schreibung. Ein Vertipper wie „seti“ springt sofort ins Auge. „Seid gestern“ nicht.

> Oft gesucht: „seit oder seid neue Rechtschreibung“. Hier gibt es nichts nachzuschlagen, und das aus einem grundsätzlichen Grund: Der Unterschied ist grammatisch, nicht orthografisch — zwei Wörter, zwei Wortarten, zufällig gleicher Klang. Eine Rechtschreibreform regelt Schreibvarianten desselben Wortes; zwei Wörter zu einem machen kann sie nicht. Entsprechend führt auch die grundlegende Neubearbeitung des amtlichen Regelwerks, die laut Rat für deutsche Rechtschreibung seit dem 1. Juli 2024 verbindlich ist, an dieser Stelle nichts Neues ein.

## Die eine Probe, die trägt — und vier Fälle, in denen du sie ergänzen musst

Die Dudenredaktion schreibt in ihrem Sprachratgeber „seid oder seit?“: „Der einzige verlässliche Schlüssel zur korrekten Schreibung bleibt also die Wortart.“ Alles andere — Merksätze, Bauchgefühl, „da war doch was mit Zeit“ — sind Abkürzungen, die oft funktionieren und manchmal eben nicht. Deshalb steht hier die Ersatzprobe an erster Stelle: Sie prüft die Wortart und dauert im Kopf keine zwei Sekunden. Die vier Schritte danach brauchst du nur, wenn sie kein klares Ergebnis liefert — oder wenn du wissen willst, warum sie eines liefert.

1. **Mach die Ersatzprobe mit „sind“** — Bau die Stelle testweise zu „wir sind“ oder „sie sind“ um. Aus „Seid ihr gut angekommen?“ wird „Sind sie gut angekommen?“ — der Satz steht, also Verbform, also d. Bei „Seid Montag warte ich“ ergibt „Sind Montag warte ich“ Kauderwelsch: keine Verbform, also t. Diese Probe hängt an der Wortart, nicht am Thema des Satzes — deshalb trägt sie als einzige immer.
2. **Ein „ihr“ daneben ist ein Indiz, kein Beweis** — Steht ein „ihr“ daneben, spricht das für die Verbform: „Seid ihr dabei?“, „Ihr seid dran.“ Verlassen kann man sich darauf nicht. In „Seit du das Projekt übernommen hast, läuft es rund“ folgt der Konjunktion seit ein Subjekt — und dieses Subjekt darf genauso gut ein ihr sein. Das Pronomen entscheidet also nichts, die Wortart schon.
3. **Kein Ergebnis? Dann frag „seit wann?“** — Bleibt die Ersatzprobe ohne klares Ergebnis, stell die Zeitfrage. „Seit wann?“ zielt auf einen Anfangspunkt oder eine Dauer, die bis in die Gegenwart reicht — genau das leistet die Präposition seit, und sie zieht immer den Dativ nach sich: seit einem Jahr, seit dem Umzug. Ein „seit einen Monat“ ist deshalb falsch — seit verlangt den Dativ: seit einem Monat.
4. **Gegenprobe mit „seitdem“** — Leitet das Wort einen ganzen Nebensatz mit eigenem Verb ein, ist es die Konjunktion: „Seit ich mit dem Rad fahre, bin ich früher da.“ Ersetze sie testweise durch „seitdem“ — bleibt der Satz heil, steht dort t. Vor einer einzelnen Zeitangabe funktioniert dieser Tausch nicht („seitdem Montag“ ist kein Deutsch); dort bleibt die Frage „seit wann?“ das Mittel der Wahl.
5. **Merk dir den Sonderfall Aufforderung** — Bei einer Aufforderung an mehrere Personen steht die Verbform ohne sichtbares Pronomen: „Seid bitte pünktlich.“, „Seid still!“, „Seid gegrüßt.“ Das ist der Imperativ Plural von „sein“ — eine eigene Form, die genauso lautet wie das seid in „ihr seid“, und ebenfalls mit d geschrieben wird. Wer ausschließlich nach dem Pronomen sucht, tappt genau hier in die Falle.

## Wo der Merksatz „seit bei Zeit“ danebengeht

„seit bei Zeit“ ist der Merksatz, der sich laut Duden zu diesem Thema durchgesetzt hat, und falsch ist er nicht: Als Vorfilter erledigt er einen Großteil der Fälle. Der Duden nennt aber auch die Einschränkung dazu: Man solle die Eselsbrücke mit Vorsicht genießen, denn sie gelte nur für seit als Zeitpräposition und für seit als Konjunktion vor einem Zeitnebensatz. Was daraus praktisch folgt, ist simpel.

Die Eselsbrücke verleitet dazu zu prüfen, ob im Satz eine Zeitangabe vorkommt. Das ist die falsche Frage. Entscheidend ist, ob das gesuchte Wort selbst eine Zeitangabe oder einen Zeit-Nebensatz anführt — nicht, ob irgendwo im Satz eine Zeitangabe steht. Sobald Verbform und Zeitangabe zusammen in einem Satz landen, führt der Merksatz in die Irre. Und das passiert leicht: Fragen nach der Dauer richten sich oft an ein „ihr“.

- „Wie lange seid ihr schon hier?“ — die Zeitfrage steckt in „wie lange“, nicht im gesuchten Wort: Gefragt wird nach ihr, also d.
- „Seid ihr am Freitag dabei?“ — der Freitag gehört zu „dabei“, nicht zum ersten Wort des Satzes.
- „Seid pünktlich um acht.“ — eine Uhrzeit im Satz, getragen wird er aber von einer Aufforderung.
- „Seit wann seid ihr zusammen?“ — beide Wörter, ein Satz, jedes nach seiner eigenen Wortart entschieden.
- „Wenn ihr mit euren Teilen fertig seid, schickt sie mir.“ — vier Wörter zwischen Pronomen und Verb, und der Bezug gerät aus dem Blick.

> Ein Fall, der immer wieder Ärger macht: „wie lange seit oder seid“ — und er hat zwei Antworten, je nachdem, was folgt. Folgt ein „ihr“, ist es die Verbform. Folgt eine Zeitspanne, ist es die Präposition: „Das geht schon seit Wochen so.“ Dass im Satz nach einer Dauer gefragt wird, entscheidet für sich genommen nichts.

## Die Satzmuster, in denen der Fehler entsteht

Die Umgebungen, in denen dieser Fehler entsteht, wiederholen sich: ein Wochentag, ein Monat, eine Uhrzeit, eine Dauer — oder eine Frage an mehrere Leute. Exotische Konstruktionen braucht es dafür nicht. Die Übersicht nennt je Zeile die Begründung statt nur des Ergebnisses, damit sich der nächste, hier nicht aufgeführte Fall selbst entscheiden lässt.

> Eine Randnotiz zur Umgebung, nicht zur t/d-Frage: In der festen Wendung „seit Langem“ sind Groß- und Kleinschreibung beide zulässig — der Duden empfiehlt „seit Langem“ und führt „seit langem“ als alternative Schreibung. Am t ändert das nichts; es steht in beiden Varianten fest.

**Zwanzig Umgebungen, in denen der Fehler entsteht — mit Begründung je Zeile**

| Satzmuster | Richtig ist | Warum |
| --- | --- | --- |
| ___ Freitag warte ich auf eine Antwort. | Seit Freitag | Wochentag als Anfangspunkt: Präposition mit Dativ |
| ___ Februar liegt die Hausarbeit unbearbeitet da. | Seit Februar | Monatsname als Anfangspunkt, kein Verb in Sicht |
| ___ gestern komme ich keinen Schritt weiter. | Seit gestern | Zeitadverb, Beginn einer bis jetzt laufenden Dauer |
| Er sitzt ___ acht Uhr an der Präsentation. | seit acht Uhr | Uhrzeit als Startpunkt — „seit wann?“ lässt sich fragen |
| Wir warten ___ zwei Wochen auf die Note. | seit zwei Wochen | Dauer im Dativ Plural, der Anfangspunkt liegt zurück |
| ___ Jahren wohne ich in derselben WG. | Seit Jahren | unbestimmte Dauer im Dativ Plural — „seit wann?“ lässt sich fragen, ohne dass eine Zahl fällt |
| ___ ich dich kenne, gehe ich öfter raus. | Seit ich dich kenne | Konjunktion vor einem Nebensatz, ersetzbar durch „seitdem“ |
| ___ dem Umzug finde ich meine Notizen nicht. | Seit dem Umzug | Präposition plus Artikel im Dativ; als ein Wort wäre es das Adverb „seitdem“ |
| Ihr ___ seit Montag informiert. | Ihr seid | Verbform und Präposition im selben Satz — das erste Wort gehört zum ihr |
| ___ wann steht der Abgabetermin fest? | Seit wann | die Frageformel, die zur Präposition selbst gehört |
| ___ ihr mit dem Ergebnis zufrieden? | Seid ihr | direkte Frage an mehrere Personen, das ihr steht dahinter |
| Wenn ihr fertig ___, schickt es mir. | fertig seid | finites Verb am Nebensatzende: „wenn wir fertig sind“ |
| Ihr ___ die Einzigen, die noch fehlen. | Ihr seid | Prädikat des Hauptsatzes, das Pronomen steht direkt davor |
| ___ bitte ehrlich, falls euch etwas fehlt. | Seid bitte ehrlich | Imperativ Plural — Verbform trotz fehlendem ihr |
| ___ still, die Prüfung läuft. | Seid still | Aufforderung an mehrere, kein Pronomen im Satz |
| Wie lange ___ ihr schon zusammen? | seid ihr | Zeitfrage im Satz, gefragt wird aber nach ihr — hier greift der Merksatz daneben |
| Meldet euch, sobald ihr angekommen ___. | angekommen seid | Hilfsverb im Perfekt, das Partizip steht davor |
| Ihr ___ zur Nachbesprechung eingeladen worden. | Ihr seid | Hilfsverb im Passiv, ebenfalls eine Verbform |
| ___ wann ___ ihr eigentlich in Wien? | Seit wann seid ihr | beide Wörter in einem Satz, jedes nach eigener Wortart |
| ___ ihr das Protokoll führt, sind die Sitzungen kürzer. | Seit ihr | Konjunktion vor dem Nebensatz — hier folgt regulär ein ihr auf seit mit t, das Verb des Nebensatzes ist „führt“ |

## Wo seid überall steckt — und warum es am Nebensatzende am ehesten schiefgeht

„seid gehört zu ihr“ stimmt, führt aber zu einer Suchstrategie, die zu kurz greift: Das Auge fahndet nach einem ihr direkt daneben. Im Deutschen wandert das finite Verb jedoch ans Satzende, sobald ein Nebensatz beginnt — und dann liegen zwischen Pronomen und Verb schnell vier oder fünf Wörter. Dort geht es besonders leicht schief, auch Leuten, die die Regel kennen.

- Vollverb im Hauptsatz: „Ihr seid schneller als gedacht.“ — Pronomen und Verb stehen nebeneinander, der leichteste Fall.
- Hilfsverb im Perfekt: „Ihr seid pünktlich angekommen.“ — seid trägt die Person, das Partizip die Bedeutung.
- Hilfsverb im Passiv: „Ihr seid zur Nachbesprechung eingeladen worden.“ — dieselbe Verbform, andere Konstruktion.
- Imperativ Plural: „Seid bitte pünktlich.“ — kein Pronomen im Satz, trotzdem eine Verbform.
- Nebensatz mit Endstellung: „…, wenn ihr mit euren Teilen fertig seid.“ — der größte Abstand zum ihr und damit die anfälligste Stelle.

_Eine Nachricht an die Lerngruppe_

**Vorher — sechs Entscheidungen, vier davon daneben:** Hey ihr, seid ihr am Freitag dabei? Ich sitze seid Montag an der Gliederung und komme seit gestern keinen Schritt weiter. Wenn ihr mit euren Teilen fertig seit, schickt sie mir bitte vorab. Und seit ehrlich, falls euch noch etwas fehlt — seid dem letzten Mal habe ich echt keine Lust mehr auf Chaos am Abgabetag.

**Nachher — jede Stelle einzeln entschieden:** Hey ihr, seid ihr am Freitag dabei? Ich sitze seit Montag an der Gliederung und komme seit gestern keinen Schritt weiter. Wenn ihr mit euren Teilen fertig seid, schickt sie mir bitte vorab. Und seid ehrlich, falls euch noch etwas fehlt — seit dem letzten Mal habe ich echt keine Lust mehr auf Chaos am Abgabetag.

Sechs Stellen, sechs Begründungen — zwei davon hat sie im Vorher-Text zufällig richtig getroffen, und welche das sind, zeigt erst die Probe. „Seid ihr am Freitag dabei?“ ist eine Frage an mehrere; dass „Freitag“ im Satz auftaucht, geht dieses Wort nichts an. „seit Montag“ und „seit gestern“ führen je eine Dauer an, die bis jetzt reicht. „wenn ihr fertig seid“ ist die anfälligste Stelle: Das Verb rutscht ans Nebensatzende, vier Wörter hinter sein ihr — Ersatzprobe „wenn wir fertig sind“, also d. „Seid ehrlich“ ist Imperativ Plural, ganz ohne Pronomen. Und „seit dem letzten Mal“ ist Präposition plus Dativ, getrennt geschrieben, weil ein Artikel dazugehört; das Adverb „seitdem“ wäre ein Wort und stünde ohne Artikel.

> Ein Fall, der leicht untergeht: „Seit ihr“ am Satzanfang kann völlig korrekt mit t geschrieben sein. In „Seit ihr in Wien wohnt, sehen wir uns seltener“ ist seit die Konjunktion, ihr das Subjekt des Nebensatzes und „wohnt“ dessen Verb. Grammatisch ist das keine Ausnahme, sondern regulär: Nach der Konjunktion darf jedes Subjekt stehen — du, ihr, wir, die Nachbarn. Ausgehebelt wird nur die Faustregel „steht ein ihr daneben, dann d“. Die Ersatzprobe hält stand: „Sind ihr in Wien wohnt“ ist Unsinn, „Seitdem ihr in Wien wohnt“ einwandfrei.

## Übung mit Lösungen

Zwölf Sätze mit neuem Wortmaterial: vier davon stellen eine Zeitangabe neben die Verbform, vier schieben das Verb ans Nebensatzende. Erst selbst entscheiden, dann vergleichen — und bei jedem Treffer kurz benennen, welche Probe die Entscheidung gebracht hat.

Lösungen: 1 Seit — 2 Seid — 3 seit — 4 seid — 5 Seid — 6 Seit — 7 seid — 8 Seit — 9 seid — 10 Seid — 11 seid — 12 seid.

Die vier Sätze mit einer Zeitangabe neben der Verbform sind 7, 9, 10 und 12: eine Zeitfrage im Nebensatz, beide Wörter in einem Satz, ein Wochentag hinter der Verbform, zuletzt Wochentag und Uhrzeit, während trotzdem nach mehreren Personen gefragt wird. Ans Nebensatzende geschoben ist das Verb in 4, 7, 11 und 12 — dort steht es am weitesten von seinem ihr entfernt.

Wer 3 und 9 sauber auseinanderhält, entscheidet nach der Wortart und nicht nach dem Merksatz: In beiden Sätzen steht eine Zeitangabe, in 3 trägt sie die Präposition, in 9 steht sie hinter einer Verbform, die zum ihr gehört.

- 1. ___ Ostern liegt der Antrag beim Prüfungsamt.
- 2. ___ ihr euch über die Gruppeneinteilung schon einig?
- 3. Der Aufzug steht ___ Dienstagabend still.
- 4. Ruft an, wenn ihr mit dem Umzug durch ___.
- 5. ___ leise, die Nachbarn schlafen schon.
- 6. ___ wir den Wecker versetzt haben, klappt der Morgen besser.
- 7. Ich frage mich, wie lange ihr eigentlich schon Nachbarn ___.
- 8. ___ dem Umbau ist die Bibliothek lauter geworden.
- 9. Ihr ___ seit dem Frühjahr im Verteiler.
- 10. ___ ihr sicher, dass am Samstag alle Zeit haben?
- 11. Sobald ihr im Seminarraum angekommen ___, schicke ich die Folien.
- 12. Schreibt mir, falls ihr am Freitag um acht noch nicht da ___.

## Was eine Rechtschreibprüfung hier leisten kann — und was nicht

Eine rein wörterbuchbasierte Rechtschreibprüfung findet an dieser Stelle nichts: „seit“ und „seid“ sind beide korrekte deutsche Wörter, beide häufig, beide in jedem Wörterbuch. Welches an eine bestimmte Stelle gehört, entscheidet nicht das Wort, sondern der Satz drumherum. Ansetzen kann deshalb nur eine Prüfung, die den Satzbau mitliest — und die gibt es: LanguageTool führt für genau diesen Fall eine eigene Regel (SEID_VS_SEIT, Kategorie „Mögliche Tippfehler“; nachgeschlagen am 31. Juli 2026), und auch die Prüfung oben auf dieser Seite arbeitet nicht mit einer Wortliste, sondern liest den Zusammenhang mit.

Eine Garantie ist das nicht. Je länger der Satz und je größer der Abstand zwischen ihr und Verb, desto eher rutscht so eine Stelle durch — und eine Markierung ist ein Hinweis, kein Urteil. Nutz die Prüfung als zweites Paar Augen und lies jede Markierung mit der Ersatzprobe gegen; pro Stelle kostet das zwei Sekunden. Dieselbe Arbeitsteilung gilt für das andere gleich klingende Paar, „dass“ und „das“: Auch dort entscheidet die Wortart, nicht der Klang, und die Prüfung schlägt nur vor.

Für die Schlussdurchsicht ist die Suchfunktion deines Textprogramms das direktere Werkzeug — aber nur mit der richtigen Einstellung. Such nacheinander nach „seit“ und nach „seid“, jeweils als Ganzwortsuche (in Word: Suchoptionen → „Nur ganzes Wort suchen“). Ohne diese Option treffen die Suchen auch sein, seine, Seite oder beseitigen, und du gibst nach dem dreißigsten Fehltreffer auf. Mit ihr bleibt eine überschaubare Liste, die du Treffer für Treffer mit der Ersatzprobe durchgehst.

Für alles andere ist die Rechtschreib- und Grammatikprüfung oben da: Vertipper, falsche Endungen, Zeichensetzung. Mit einem kostenlosen Konto hast du dafür 300 kostenlose Wörter pro Monat.

> Fang bei der Durchsicht mit den Nebensätzen an — dort steht das Verb am Ende und damit am weitesten von seinem ihr entfernt. Wenn die Zeit knapp ist, prüf nur diese Stellen: Sie kosten am wenigsten Zeit pro gefundenem Fehler.

## Zwei Wortarten, zwei Prüfwege — woran du dich festhalten kannst

| Woran du es festmachst | seit — mit t | seid — mit d |
| --- | --- | --- |
| Wortart | Präposition mit Dativ oder Konjunktion | Verbform von „sein“: 2. Person Plural und Imperativ Plural |
| Frage an den Satz | „Seit wann?“ — gefragt ist nach einem Anfangspunkt | „Wer ist gemeint?“ — immer ihr |
| Ersatzprobe | durch „seitdem“ ersetzbar (nur als Konjunktion) | „ihr seid“ wird zu „wir sind“ oder „sie sind“ |
| Was typischerweise folgt | ein Zeitpunkt, eine Dauer oder ein ganzer Nebensatz | ein ihr — sichtbar oder im Imperativ mitgedacht |
| Rolle im Satzbau | trägt nie das Prädikat | ist das finite Verb seines Teilsatzes |
| Kasus | verlangt den Dativ: seit einem Monat | kein Kasus — es ist ein Verb |
| Beispielsatz | Seit Freitag warte ich auf Antwort. | Ihr seid noch nicht dran. |

## Häufige Fragen

**seit oder seid — was ist richtig?**

Beides, je nach Wortart. „seit“ mit t ist eine Präposition mit Dativ oder eine Konjunktion und führt eine Zeitangabe oder einen Nebensatz an: seit Freitag, seit zwei Wochen, seit ich hier wohne. „seid“ mit d ist eine Verbform von „sein“ — die 2. Person Plural (ihr seid) und die gleich lautende Aufforderungsform an mehrere: Seid still! Die schnellste Probe ist die Umformung zu „wir sind“ oder „sie sind“ — funktioniert sie, steht dort d.

**Heißt es „seid ihr gut angekommen“ oder „seit ihr gut angekommen“?**

„Seid ihr gut angekommen?“ mit d. Als Präposition könnte seit hier gar nicht stehen: Sie verlangt den Dativ, und „ihr“ ist Nominativ. Nur die Konjunktion darf ein ihr nach sich haben, und dann folgt ein ganzer Nebensatz mit eigenem Verb — den gibt es hier nicht. Die Ersatzprobe bestätigt es: „Sind sie gut angekommen?“

**Wie lange seid ihr oder wie lange seit ihr?**

„Wie lange seid ihr …?“ mit d. Das ist einer der Fälle, in denen der Merksatz „seit bei Zeit“ in die Irre führt: Die Zeitfrage steckt in „wie lange“, nicht im gesuchten Wort. Gefragt wird nach mehreren Personen, also steht dort die Verbform. Zum Vergleich: „Das geht schon seit Wochen so“ — hier folgt eine Dauer, also t.

**Kann nach „seit“ mit t ein „ihr“ stehen?**

Ja, und an diesem Fall zeigt sich, dass die Faustregel „ihr daneben, also d“ nicht trägt. Als Konjunktion leitet seit einen Nebensatz ein, und dessen Subjekt kann jedes Pronomen sein: „Seit ihr zu dritt am Text sitzt, geht es schneller.“ Das Verb dieses Nebensatzes ist „sitzt“. Zur Kontrolle lässt sich seit durch „seitdem“ ersetzen — geht das, steht dort t, egal was folgt.

**Gibt es eine Eselsbrücke, die immer stimmt?**

Der Duden führt den Merksatz „seit bei Zeit“ an und schreibt dazu, er sei mit Vorsicht zu genießen: Er gilt nur für die temporale Präposition und für die Konjunktion, die einen Zeit-Nebensatz einleitet. Verlässlicher ist die Ersatzprobe mit „sind“, weil sie die Wortart prüft statt das Thema des Satzes. Wenn du dir nur eine Regel merken willst, dann diese.

**Hat die neue Rechtschreibung an seit und seid etwas geändert?**

Nein. Der Unterschied ist grammatisch, nicht orthografisch: zwei verschiedene Wörter mit unterschiedlicher Wortart, die zufällig gleich klingen. Eine Rechtschreibreform regelt Schreibvarianten desselben Wortes — zwei Wörter zu einem machen kann sie nicht. Auch die grundlegende Neubearbeitung des amtlichen Regelwerks, die laut Rat für deutsche Rechtschreibung seit dem 1. Juli 2024 verbindlich ist, betrifft dieses Paar nicht.

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_Last updated: June 2026._
